Es bedarf neuer Wege

Hier ist ein spannender Artikel eines in Bremen lebenden Arbeiter.

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen 25 Jahren extrem verändert, durch die Aufweichungen des AÜG (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz) hatten die Unternehmen die Möglichkeit, immer mehr feste Arbeitsplätze in prekäre zu verwandeln. Das Ergebnis ist, dass die Zahl der Leiharbeiter von Jahr zu Jahr steigt, für die Betroffenen gibt es keinen wirklichen Kündigungsschutz und sie werden schlechter bezahlt als die Stammbelegschaft.

Ich habe in den letzten 6 Jahren in 6 verschiedenen Unternehmen gearbeitet und habe mich mit den Gegebenheiten in den Unternehmen auseinander gesetzt. In allen Unternehmen habe ich die gleichen Erfahrungen gemacht. Die Belegschaft setzte sich immer aus der Stammbelegschaft und Leiharbeitern zusammen und alle Kollegen, ob Stammbelegschaft oder Leiharbeiter, stehen irgendwie in Konkurrenz zueinander. Jeder hat die Hoffnung mit seinem “richtigen Verhalten“ etwas besser gestellt zu werden. Wer sich beschwert wird sofort zur Ordnung gerufen. In jeden Betrieb habe ich die selbe Unzufriedenheit der Kollegen erlebt. Zu wenig Lohn, ständige Mehrarbeit, hohe Arbeitsbelastung und keine Anerkennung für geleistete Arbeiten. In jeden Betrieb werden die Bedingungen für die Kollegen schlechter und keiner hat die Hoffnung, dass es besser wird. Weiterlesen

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In Gröpelingen tut sich was

Solidarisch in Gröpelingen ist angesagt. Seit einigen Monaten ist “Solidarisch in Gröpelingen ” aktiv im Stadtteil unterwegs. Ihr Ziel ist es die Vereinzelung der im Stadtteil lebenden aufzubrechen. Sich wieder kennenlernen und gemeinsam Ärgernissen gegenübertreten und selbst für die Entwicklung im Stadtteil einzutreten. Am kommenden Freitag (03.11.2017) lädt Solidarisch in Gröpelingen Stadtteilübergreifend zur Stadtteilgewerkschaft ein. Hier ist das Flugblatt von Solidarisch in Gröpelingen dazu.

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Die Änderung der Arbeitnehmerüberlassung und deren Folgen

Die Änderungen in der Arbeitnehmerüberlassung und deren Folgen kommen jetzt gerade richtig zum tragen. Betroffen ist ein Großteil der Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen. Viele Unternehmen haben sich bereits darauf eingestellt und fangen an den Personalwechsel zum Ende des Jahres vorzubereiten. Die ganze Zeitarbeitsbranche ist gerade dabei sich neu aufzustellen. Konkurrenten arbeiten zusammen um die Interessen der Entleiher zu sichern. Das neue AÜG ist seit dem 01.04.2017 in kraft, was bedeutet, dass  die Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen, die vor oder seit dem 01.04.  entliehen sind,  ab den 01.01.2018 gleich der Stammbelegschaft entlohnt werden müssen. Das hat zur Folge, dass viele Unternehmen jetzt versuchen, dass zu umgehen. Gerade die Unternehmen in der Logistik Branche, in der der Anteil der Leiharbeiter sehr groß ist, fangen jetzt an Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen auszutauschen.

Die Großen Logistiker arbeiten alle mit einen Onsite Management , die kümmern sich um die Disposition und Rekrutierung der Leiharbeiter/innen in den Unternehmen. Bei der BLG Logistic ist das z.B. die Job AG oder bei Schenker im I-Park ist es Personal aktiv. Die Konkurrenten fangen jetzt an Wege zu finden, wie man eine Rotation der Leiharbeiter in den verschiedenen Logistikunternehmen organisieren kann. Die Arbeiter werden unabkömmlich gebraucht aber Festeinstellungen und equal pay ist für die Unternehmen keine attraktive Lösung.

Die BLG Logistic sowie auch die Schenker Deutschland AG haben Teile der Leiharbeiter/innen befristet übernommen aber der größere Teil der Leiharbeiter/innen wird zum Jahresende getauscht. So wurde auf der Betriebsversammlung bei Schenker informiert, dass es leider unwirtschaftlich ist Leiharbeitern den selben Lohn wie Festangestellten zu zahlen und daher müsse jeder verstehen, dass das nicht geht. War schon eine klare Aussage an die entliehenen Arbeiter/innen.

Das alles bedeute für viele Leiharbeiter, sie werden am Ende des Jahres rausgeschmissen, viele haben sich  krumm gemacht, mit der Hoffnung im eingesetzten Unternehmen übernommen zu werden. Und jetzt sagt der Unternehmer “danke, kannst in drei Monaten wieder kommen”. An viele der Kollegen hat man sich doch sehr gewöhnt und Sie sind Teil der Belegschaft. Keiner hat das Recht, diese Kollegen einfach raus zu schmeißen. Nur wenige der Kollegen haben sich nach Bekanntgabe der Regelung, zum Jahreswechsel, krankschreiben lassen aber viele sind enttäuscht. Jetzt stellt sich die Frage “Wie können wir uns dagegen wehren und was fordern wir” . Gerade jetzt sind massenhaft Kollegen betroffen und wir haben die Zeit und Chance Protest dagegen zu organisieren.

Seit Ihr betroffen oder habt Lust Proteste gegen diesen respektlosen Verhalten der Unternehmen zu organisieren, dann Schreibt uns Eure Meinung  und Eure Ideen dazu.

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Warum wird der GHB nicht mehr gebraucht

Warum wird der GHB nicht mehr gebraucht. Seiner Zeit war der GHB eine gute Einrichtung, als gemeinnütziger Verein, der aus Tagelöhnern abgesicherte Hafenarbeiter machte. Der Grundstein des GHB wurde Anfang des letzten Jahrhundert gelegt. Gegründet von der Gewerkschaft und den Hafeneinzelunternehmen wurde ein großer Pool von Hafenarbeitern geschaffen. Jedes Mitgliedsunternehmen konnte bzw. kann auf diesem Pool zugreifen. Über eine Umlage, die die Hafeneinzelunternehmen zu Entrichten haben wurde eine Garantielohnkasse geschaffen, aus der die Arbeiter auch dann bezahlt wurden, wenn sie keinen Einsatz hatten. Zusätzlich wurde aus der Kasse aber auch die Weiterbildung der Arbeiter bezahlt. Wurde ein Kranführer, Gabelstaplerfahrer oder andere Qualifikation gebraucht wurde der Arbeiter zur Hafenfachschule( heute Ma-Co) geschickt und wurde ausgebildet. Das hatte den Vorteil, dass immer genug qualifizierte Arbeiter zur Verfügung standen und auf der anderen Seite profitierten auch die Arbeiter, denn die hatten einen vernünftigen Tarifvertrag, waren unbefristet beschäftigt und bekamen die selben Löhne wie die Festangestellten. War die Garantielohnkasse mal etwas klamm, wurde die Umlage erhöht, jedes Mitgliedsunternehmen ist verpflichtet die festgelegte Umlage zu zahlen, was bedeutet, der GHB ist erst dann Pleite wenn die Einzelunternehmen zahlungsunfähig sind. Das lief über Jahrzehnte gut und beide Seiten profitierten. Dieses Konstrukt war beschränkt auf den Hafenbereich. Mit der Agenda 2010 und der Aufweichung des Arbeitsüberlassung-Gesetz kam die Wende.

Warum soll sich der Unternehmer Heute noch einen solchen Verein leisten wenn es doch weitaus günstigere Alternativen gibt. Wurden damals die Hafenarbeiter in der Hafenfachschule ausgebildet werden dort heute prekäre, Arbeitslose und Gelegenheitsarbeiter ausgebildet. Dafür wurde ein Qualifizierungsprogramm entwickelt. Unter den Namen Hanse-Logistiker werden dort Arbeiter in 20 Wochen Kursen für die zukünftige Arbeit im Hafen bzw. der Logistik ausgebildet. 10 Wochen davon sind Betriebspraktika, in dem der Unternehmer die Arbeiter ausprobieren kann. Der Kurs zum Hanse-Logistiker ist qualitativ hochwertig und die Unternehmen können die Absolventen sofort nach Abschluss zu 100% einsetzen. Die Qualifikationen werden jetzt nicht mehr von den Einzelunternehmen bezahlt sondern von den Jobcentern. Beispielsweise lässt die BLG, Arbeiter über die Job AG(Personaldienstleister) für sich ausbilden. Heißt, wenn die Arbeiter ihren Abschluss als Hanse-Logistiker in der Tasche haben, werden sie auf Zeit bei der Job AG, zu deutlich schlechteren Bediengungen eingestellt und dann bei der BLG eingesetzt. Auch Firmen wie Tiemann, Stute usw. profitieren. Das läuft hier schon eine ganze Zeit in Bremen. Dadurch wird dem GHB die Grundlage genommen und nicht nur die GHB Kollegen/innen müssen Federn lassen.

Nur der reinen Hafenarbeiter hat noch besonderen Schutz.

Beim GHB soll der Distributionsbereich geschlossen werden. Betroffen sind dort jetzt noch ca. 450 Kollegen/innen. Vor ca. 5 Jahren arbeiteten in den Bereich noch ca. 1750 Kollegen/innen. Nur die Kollegen/innen, die als reine Hafenarbeiter eingestellt sind, sollen nicht betroffen sein.

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Die Abwicklung des DHL Logistikcenters Bremen – Ein Lehrstück

Die Abwicklung des DHL Logistikcenters Bremen – Ein Lehrstück

In den Gewerbegebieten und entlang der Autobahnen stehen die gesichtslosen Klötze der
Logistker. Und es schießen immer weitere wie Pilze aus dem Boden. Wenn das eine wachsende Branche ist, dann fragt man sich, warum das LC Bremen dicht gemacht wurde.

Die Post fährt als börsennotierter weltweit operierender Konzern einen radikalen Sparkurs bei den Personalkosten, während die Ausschüttungen an die Aktionäre wachsen. Die Ausgliederung von Unternehmen gehörte zu den Tricks, die erkämpften Löhne zu unterbieten. DHL Home Delivery ist als Billigheimer gegründet worden und ein Hauptziel des Poststreiks 2015 war ein Ende der Ausgliederung und damit gleicher Lohn für die gleiche Arbeit. Ohne diese Hauptforderungdurchgesetzt zu haben, brach Verdi den Streik ohne Not ab. Die Kollegen waren stinksauer, bei den Aktionären knallten die Champagnerkorken. Im Oktober 2016 verkündet man an der Börse, bei den Postaktien Aktien ließe sich 100% gewinnen, einen Monat später waren es bereits 130%.

Das LC Bremen wurde auch als Home Delivery Unternehmen betrieben. In Wirklichkeit war es eine Filiale von Amazon. Es stand der Name DHL am Gebäude, doch die Aufträge kamen zu 100% von Amazon. Als wir im März 2016 bekannt machten, daß geplant sei das LC Bremen abzuwickeln, wollten die Kollegen Weiterlesen

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Auch bei der DHL Home Delievery stehen 300 Arbeitsplätze auf dem Spiel

Heute Morgen kam die Info, dass Amazon sich aus dem Logistik Center Bremen der DHL Home Delievery (Senator-Nolting-Hauff-Str.) zurück ziehen wird. Dort stehen jetzt 300 feste Arbeitplätze auf dem Spiel. Bereits 2014 gab es dort Probleme als die BLG das Onlinegeschäft der Tchibo GmbH, bis dahin das Kerngeschäft des DHL Logistk Center Bremen, übernommen hat. Kompensieren konnte man das damals mit dem neuen Kunden Amazon, doch der zieht sich jetzt aus Bremen zurück. Den Preiskampf den sich die Logistikunternehmen hier in Bremen leisten, tragen sie auf unseren Schultern aus. Immer mehr Kollegen werden in schlecht bezahlte Leiharbeitsverhältnisse geschoben. Ein Beispiel dafür ist, dass was die BLG jetzt mit den 450 GHB Kollegen macht. Hintergründe dazu sind in unseren Artikel Ver.di, BLG und Co sind dabei den DC- Bereich des GHB abzuwickeln zulesen.

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