Hebammen streiken für fairen Lohn

Nationaler “Equal Pay Day”
Hebammen streiken für fairen Lohn

Radio Bremen, 25.03.11

Die freiberuflichen Hebammen in Bremen haben am Donnerstag für eine bessere Bezahlung gestreikt. Geburtshilfe und Notfälle waren davon aber nicht betroffen, erklärte der Bremer Hebammenverband. Am Freitag wollen sich auch Hebammen aus den Bremer Kliniken dem Protest anschließen.

“Viele Koleginnen in Bremen haben den Job schon an den Nagel angehängt”, sagt Valerie Stabel.

Mehr als 3.500 Euro kostet die Haftpflichtversicherung für eine freiberufliche Hebamme, erklärte der Verband. Deutlich gestiegen seien auch die Kosten für Fahrten und Fortbildungen. Dem stehe ein durchschnittlicher Verdienst von 7,50 Euro pro Stunde gegenüber. Wenn es nicht bald konkrete Verbesserungen gebe, werden Kolleginnen ihre Arbeit aufgeben müssen, befürchtet die Vorsitzende des Verbandes, Valerie Stabel. Um wirklich davon leben zu können, fordern die Hebammen einen Stundenlohn von zehn Euro. Im Land Bremen kommen jedes Jahr im Schnitt 5.500 Neugeborene zur Welt. Fünf Prozent der Kinder werden nicht in Kliniken geboren. Bremen hat doppelt so viele außerklinische Geburten wie der Bundesdurchschnitt. In Bremen gibt es rund 200 freiberufliche Hebammen.

Der Spitzenverband der Krankenkassen GKV will den Hebammen nicht mehr Geld zahlen. Zuerst müsse geklärt werden, wie viel die Hebammen derzeit verdienen und wie deren Arbeitspensum aussehe, so eine Sprecherin des Verbandes auf Nachfrage von Radio Bremen. Dazu erstellt das Bundesministerium für Gesundheit zurzeit ein Gutachten. Erst wenn diese Daten vorliegen, könne man über eine mögliche Erhöhung der Bezüge reden, so die GKV-Sprecherin weiter. Der Landeshebammenverband Bremen hatte ab sofort 20 bis 30 Prozent mehr Lohn gefordert.

Notdienst

Ein Notdienst ist nach Angaben des Hebammenverbands am Freitag unter der Telefonnummer 0421 3039330 zu erreichen.
Nationaler “Equal Pay Day” am Freitag

Freitag beteiligen sich die Hebammen an den Protesten anlässlich des “Equal Pay Days”. An diesem Tag wird in ganz Deutschland auf die immer noch ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam gemacht. “Gemessen an ihrer Ausbildung fühlt man sich im Vergleich zu Männerberufen deutlich schlechter bezahlt”, sagte Stabel. Noch immer erhalten Frauen in Deutschland im Durchschnitt knapp ein Viertel (23 Prozent) weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Darauf weisen am “Tag der gleichen Bezahlung”, verschiedene Organisationen hin.

Frauen werden am Arbeitsmarkt in vielerlei Hinsicht benachteiligt, sagt Bremens Arbeits- und Frauensenatorin Ingelore, SPD Rosenkötter. So würden zum Beispiel typische Frauenberufe im Dienstleistungssektor schlechter vergütet als klassische Männerdomänen im technischen Bereich. Frauen würden außerdem oft ihre Berufstätigkeit unterbrechen, um sich um Kinder oder Angehörige zu kümmern. Ein weiterer Grund für den Lohnunterschied ist nach Angabe der Bremer Arbeitnehmerkammer, dass 70 Prozent der Niedriglohn-Beschäftigten Frauen sind.

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