Der GHBV hat einen neuen Betriebsrat

Seit langem brodelt es beim Bremer- und Bremer-havener “Gesamthafenbetriebsverein” (siehe unsere Artikel “Alltag eines Arbeiter…” und “Selbstorganisiert…“). Nicht nur die Arbeits-bedingungen sind übel. Auch der ehemalige verdi Betriebsrat in Bremerhaven, rund um den nun ex-Vorsitzenden Peter Frohn hatte sich sowohl durch Zustimmung zu den Massenentlassungen 2009 als auch durch zahlreiche Korruptionsfälle einen Namen gemacht. Aus den Reihen des Komitees “Wir sind der GHB” und zuletzt auch der neuen Gewerkschaft Contterm wurde seit langem Widerstand gegen das alte Gremium organisiert, der zuletzt mit einer vor Gericht eingeklagten Neuwahl Erfolg hatte. Seit einer Woche ist der Betriebsrat neu gewählt.

Gewonnen hat mit 8 Sitzen die oppositionelle Liste “Kollegen für Kollegen” von Leuten, die sich auch mit dem Komitee zusammen seit langem in den Auseinandersetzungen im Hafen auf Belegschaftsseite bewährt haben. Auch über eine Contterm Liste sind 2 Kollegen in das Gremium gewählt worden, mit denen die “Gewinner” nach eigenen Aussagen eng zusammen arbeiten werden. Die Liste des ex-Vorsitzenden Peter Frohn mit dem eindringlichen Namen “unsere Gewerkschaft verdi” bekam 5 Sitze und gilt als abgeschlagen. Die Stimmen dürfte seine Liste nur noch von eigenen Gefolgsleuten und neuen Kollegen im Betrieb bekommen haben, die noch bis vor kurzem in seinem Büro verdi und AOK Mitgliedsbeiträge unterschreiben “konnten”.

Heute fand die konstituierende Sitzung statt. Dabei wurden als neuer Vorsitzender Uwe Schmidt und Stellvertreter Kay Rösner gewählt.

Es wird sich nun zeigen, ob die Mehrheit des neuen Betriebsrats seinen Ansprüchen gerecht wird, den KollegInnen gegenüber transparent zu sein und sich nicht unterbuttern zu lassen. Dazu gehört nach den Erfahrungen, die wir mit der Arbeit des Komitees sammeln konnten vor allem, dass die KollegInnen nicht nur informiert, sondern auch angeregt werden, selbst aktiv zu sein. Der Betriebsrat besteht beim GHBV in Bremerhaven aus 15 Mitgliedern, die Belegschaft aber aus fast 1400 KollegInnen. Da ist klar, wo Gegenmacht letztendlich herkommen muss.

Rechtlich vertritt der Betriebsrat außerdem nur die eigene Belegschaft. Um im Hafen was zu ändern, müssen aber neben GHB und Hafeneinzelbetrieben auch die so genannten “Roten Karten” (TagelöhnerInnen) und KollegInnen von Leiharbeitsbuden im Widerstand zusammen kommen. Für das Auskotzen und Diskutieren ist da einerseits das Gästebuch des Komitees gut, aber ohne gemeinsame Gesprächsabende, Flugblätter, Demos und Aktionen wird uns eine (wohl bald wieder stärker anrollende) Krise trotz “gutem” Betriebsrat noch mehr reinreißen, als es 2009 der Fall war!

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2 Kommentare zu Der GHBV hat einen neuen Betriebsrat

  1. n. sagt:

    von interesse:

    Die Ortsgruppe Nr. 4 Göteborg des schwedischen Hafenarbeiterverbandes hat beschlossen, am Generalstreik der europäischen Hafenarbeiter teilzunehmen. Der Streik richtet sich gegen die geplante Deregulierung in Portugals Häfen. “Es geht um Arbeitsplätze und die Erhaltung von Arbeitsbedingungen in den Häfen,”sagt Erik Helgeson, Kassierer der Ortsguppe 4, (“Hafen-Vier”). Zu den Forderungen der EU im Rahmen der “Krisen-Hilfe” gehört die Deregulierung den portugiesischen Häfen, sowie die Aufhebung der strikten Arbeitsteilung zwischen Schiffsbesatzungen und Hafenarbeitern. Sich an die Seite der portugiesischen Hafenarbeiter zu stellen ist für die “Hafen-Vier” unvermeidlich. “Sie sind die ersten in einem Prozeß, der alle Häfen betreffen wird. Wenn wir jetzt nicht mobilisieren, werden sie sich Land für Land, Hafen für Hafen vornehmen. Schlußendlich sind wir an der Reihe, und dann gibt es niemanden, der uns unterstützen kann,” sagt Erik Helgeson zur syndikalistischen Wochenzeitung Arbetaren.

    Die portugiesischen Hafenarbeiter haben seit mitte August mehrmals gestreikt. Nun sammeln sich Europas Hafenarbeiter in der Europäischen Hafen-Internationale EDC zur Gegenoffensive. “Wir hoffen mit unseren Sympathiestreiks alle Häfen Europas stillzulegen. Das wird ein verdammt turbulenter Herbst und Winter,” so Erik Helgeson. Die anderen Ortsgruppen des Hafenarbeiterverbandes werden, eine nach der anderen, Stellung zu der Frage nehmen. Die Sympathiemaßnahmen werden dann durch den EDC koordiniert und werden Ende dieses Monats stattfinden. Der Hafenarbeiterverband gehört dem reformistischen Gewerkschaftsbund LO nicht an. Obwohl der Hafenarbeiterverband die Mehrheit der Hafenarbeiter organisiert, ist es der LO-Verband “Transport”, der Tarifpartei ist. Deshalb ist der Hafenarbeiterverband nicht an eine Friedenspflicht gebunden.

    (Nach einem Artikel von Axel Green in Arbetaren #36/2012)

    quelle: https://syndikalismus.wordpress.com/2012/09/19/hafen-vier-bereit-zum-sympathiestreik/

  2. Mario sagt:

    Ich arbeite beim GHB auf dem ATB,nur so als Einstand und ich verstehe oft diesen ganzen Sackstand nicht,schließlich hat doch jeder wirklich jeder in der Hand welche Gewerkschaft ihn als Arbeitnehmer vertreten soll/darf!!!
    Hier bei uns wird sich seitens des Betriebsrates ,auf den Versammlungen lustig gemacht wie oder was für eine Gewerkschaft uns vertritt,Verdi die allmächtige die nichts für uns macht,ich sage bewusst nichts,schließlich wird in dem von ihr abgeschlossenen Tarifvertrag alles geregelt,wirklich alles bis ins kleinste,nur der AF-Tarif und die dazu gehörige Beschreibung ist pauschalisiert!!
    Das Wissen alle gemachtes nichts,wie immer nur heiße Luft!!!
    Warum setzen wir kein Zeichen??
    Tretet aus dieser Gewerkschaft aus!!!
    Wir haben nur diese Chance so ein Zeichen zu setzen!!!
    Aber ………genau wer kämpft kann verlieren(Rosa Luxemburg)
    Nicht reden machen,ich bin ausgetreten,ich bin Rechtschutzversichert!!
    Das ist die eine Möglichkeit und noch austreten und notfalls bei Conterm rein egal,wenn es ans Geld geht wird so ein Moloch wie die Verdi wach,wollen sie doch ihrem Vorsitzenden weiterhin 170.000€ im Jahr zahlen!

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