Leiharbeiter bei der DHL – LC Bremen

Ein weiterer Erfahrungsbericht aus dem LC-Bremen der DHL

Der moderne Leiharbeitnehmer im DHL – Logistik Center Bremen

LeiharbeiterInnen müssen bei uns in der Regel für ca. 30 % weniger Lohn arbeiten als Festangestellte bei gleicher Arbeit. Das ist auf den Punkt gebracht moderne Sklaverei. Wenn man sich intensiv mit den sonstigen Bedingungen der LeihkollegInnen bei uns im LC Bremen beschäftigt, merkt man: das ist völlig Krank. Gesteuert wird die Leiharbeit bei uns durch das On-SiteManagement(OSM). Werden in den einzelnen Abteilungen Leiharbeitnehmer benötigt, melden unsere Teamleiter die Information an das OSM und die organisieren die Anzahl der benötigten KollegInnen.

Ich hatte in den letzten Jahren das Glück, mit vielen LeiharbeiterInnen sprechen zu dürfen. Was die Leute erzählt haben, war katastrophal. Die einzelnen Arbeitsverträge von ihnen sind einfach nur Knebelverträge. So müssen die Leiharbeitnehmer nicht nur für viel weniger Lohn arbeiten, sondern rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Hierzu müssen sie bei der Einstellung ihre Handynummer bei ihrer Leihfirma hinterlassen. Alle müssen sich dazu verpflichten Samstags zu arbeiten. So hat ein Leiharbeitnehmer also keine fünf Tage Woche, sondern fast immer eine sechs Tage Woche. Die zuviel geleisteten Überstunden werden den Leuten auf ein Zeitkonto gutgeschrieben und können dann irgendwann „abgefeiert“ werden, allerdings nur in der Theorie. Es gibt LeiharbeiterInnen bei uns, die haben ein Überstundenkonto von mehr als 150 Stunden. Haben die KollegInnen nicht die Gelegenheit ihre Überstunden frei zu bekommen (das entscheidet die jeweilige Leihfirma), werden ihnen diese dann im Laufe eines Jahres ausgezahlt.

Wie ist der Umgang mit LeiharbeiterInnen bei der DHL im LC – Bremen…?

…Grausam. Ich könnte viele Beispiele nennen, doch einen Fall möchte ich hier etwas näher schildern. Dieser Leiharbeiter hat mir seine Geschichte selber erzählt. Sie ist einfach unfassbar. Der Kollege musste morgens um 3:30 Uhr anfangen bei uns zu arbeiten. Da an diesem Tag in der Abteilung wenig zu tun war, wurde er an eine andere Abteilung weitergegeben. Hier war aber auch nicht viel zu tun, so dass der Leiharbeitnehmer von dem dortigen Teamleiter nach Hause geschickt wurde. Kaum zu Hause angekommen meldete sich das On-SiteManagement(OSM) per Handy bei ihm. Er wurde aufgefordert umgehend zurück zur DHL – LC Bremen zu fahren und sich dort am Modul drei zu melden, da dort noch ein Leiharbeiter benötigt würde. Also fuhr er zurück zum DHL – LC Bremen. Dort angekommen meldetet er sich also bei dem Teamleiter von Modul drei. Der Teamleiter winkte ab „Ich habe niemanden bestellt. Wir sind genug Mitarbeiter. Da liegt wohl ein Missverständnis vom On-SiteManagement vor“. Also schickte der Teamleiter den Kollegen wieder nach Hause. Als ob das nicht schon genug des guten war, meldete sich das On-SiteManagement etwas später erneut bei dem Leiharbeitnehmer. Nun wurde ihm gesagt, da er an diesem Tag nur vier Stunden gearbeitet hatte, müsse er sich noch einmal auf den Weg zur DHL – LC Bremen machen und in der Spätschicht auf Modul drei noch vier bzw. sechs Stunden arbeiten. Der Leiharbeitnehmer war mittlerweile richtig sauer, aber ist tatsächlich noch mal zur DHL gefahren und hat an diesem Tag noch sechs Stunden gearbeitet. Und am nächsten Tag war er dann wieder um 3:30 Uhr bei uns auf der Arbeit. Ich habe ihn darauf gefragt, warum er sich so eine Vorgehensweise überhaupt gefallen lässt? Seine Antwort war kurz : „Ich habe Angst um meinen Arbeitsplatz“…

Mein Fazit daraus:

Leiharbeiter zu sein ist echt übel. Nicht nur die miesen Konditionen im Arbeitsvertrag machen einen zu schaffen, sondern man wird regelrecht ausgebeutet. Wenn LeiharbeiterInnen nicht so wollen wie die Leihfirma es von ihnen verlangt, werden sie einfach wieder vor die Tür gesetzt. Nur wenn ein Leiharbeiter für eine Leihfirma im passgenau im Einsatz ist, profitiert die Leihfirma davon, während der/die Kolleg/in auf der Strecke bleibt. Also nutzen die Leihfirmen jede Möglichkeit, die „Mitarbeiter“ unter Druck zu setzen – egal mit welchen Methoden. Leider funktioniert diese Vorgehensweise meistens perfekt. Kein Beschäftigter möchte seinen Job verlieren, nur weil er sich weigert diese Vorgaben zu erfüllen.

Dieser moderne Sklavenhandel gehört also einfach abgeschafft!

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2 Kommentare zu Leiharbeiter bei der DHL – LC Bremen

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