Hinter den Werkstoren der BLG Logistic

Die BLG Logistic wird hier in Bremen immer als Aushängeschild und das Vorzeige Unternehmen gefeiert, halt ein Teil Bremer Geschichte. Doch schaut man hinter die Kulissen, auf die Arbeitsbedingungen, wird einem ganz anders.

Am 26.Juni letzten Jahres feierte die BLG Logistic das Richtfest für die Erweiterung des Hochregallagers. Dort soll jetzt das Online Geschäft Ihres Großkunden Tchibo, was vor kurzem noch einige hundert Meter weiter bei der DHL abgefertigt wurde, erledigt werden. Hier entstehen mehrere hundert Arbeitsplätze wurde rumgeprallt. Aber das dies zum größten Teil prekäre Arbeitsplätze ohne wirklichen Kündigungsschutz und weit weg von einer Entlohnung von der man leben kann sind, davon war nicht die Rede. Nachdem das Hochregallager 2002 errichtet wurde hat es nicht lange gedauert und es bekam von den Mitarbeitern schnell einen Spitznamen. Sklavenlager und heute gibt es dazu noch eine Steigerung „Guantanamo“. Von der totalen Überwachung durch Werkschutz und Vorarbeitern bis zur Nötigung und Treiberei. Immer ist jemand in der Nähe um die Arbeiter_innen zu beobachten. Selbst beim Gang zur Toilette muss man sich beeilen. Seit kurzen patrouilliert der Werkschutz während der Schicht durch das Hochregallager und kontrolliert die Spinnte und Taschen der Kollegen ohne Rücksicht auf das Persönlichkeitsrecht. Wer sich verweigert verliert seinen Arbeitsplatz. Das sagt viel über die Wertigkeit der Mitarbeiter für die BLG Logistic aus.

Bei der Frage, warum lasst Ihr Euch das alles gefallen, kam oft die Antwort. Wir können ja nichts machen. Weder der BLG Betriebrat noch der GHBV Betriebsrat ist auf unserer Seite.

Die Arbeit im Hochregallager wird zum größten Teil von prekär Beschäftigten verrichtet. Zu einem von GHBV Mitarbeitern und zum anderen von Leiharbeitern verschiedener Leiharbeitsfirmen. Der Unterschied zwischen dem GHBV und Leiharbeitsfirmen ist der, dass die Leiharbeitsfirmen den gesetzlichen Bedingungen der Leiharbeit unterliegen, während für den GHBV eine eigene Rechtsgrundlage, das GHB Gesetzt gilt und sie haben einen Tarifvertrag mit der ver.di geschlossen.

Doch dieser Tarifvertrag ist keines Falls ein Segen, ganz im Gegenteil. Anfangslöhne die in der Regel auch nicht steigen liegen da bei 8,76€/Std. Bei einer 37 Stunden Woche sind das ca. 1400€ Brutto im Monat. Plus Zulagen. Die werden in der Regel aber nicht gezahlt. Alle Mitarbeiter die beim GHBV eingestellt werden bekommen erst einmal einen 30 Stunden Vertrag auf Zeit. Obwohl vom ersten Tag an klar ist das Vollzeit gearbeitet wird. Heißt 37 bis 47 Stunden. Der Hintergrund dazu ist zu einem, falls mal nicht soviel Arbeit da ist, brauch der GHBV nur den Lohn für 30 Stunden die Woche garantieren und zum zweiten gewährt der GHBV den Mitarbeiter nur 18 Tage Urlaub weil die Arbeiter_innen ja nur auf Teilzeit eingestellt sind. Vollzeit und Festvertrag gibt es dann nach zwei Jahren. Doch die meisten Verträge laufen aus, man will sich ja nicht soviel Personal ans Bein binden.Tariflich festgelegte Zuschläge wie Überstundenzuschläge die bei vielen ab der 30sten Stunde fällig wären, werden nicht gezahlt. Kaum jemand traut sich das zu reglamieren weil da durch eine Verlängerung des Zeitvertrages bzw. ein Festvertrag mehr als unwarscheinlich wird. Bei den Kollegen der Leiharbeitsfirmen sieht es ähnlich aus. Wer die IGZ-Tarife kennt weis das die 8,19€/Std. bei 35 Stunden/Woche bekommen. Und ob GHBV oder Leiharbeiter alle werden grade so eingesetzt wie man sie braucht. Früh, Spät, Nacht und am Wochenende. Mal werden die Mitarbeiter nach 5 Stunden nach Hause geschickt mal machen Sie 12 Stunden. Usw.

Eine gängige Praxis bei der BLG Logistic ist auch das man Mitarbeiter in den ersten zwei Jahren vom GHBV entleiht, Sie danach direkt zur nächst besten Leiharbeitsfirma weiter vermittelt. Von dort werden Sie dann sofort wieder an den gewohnten Arbeitsplatz eingesetzt. Allgemein sind die Arbeitsbedingungen bei der BLG Logistic schlecht geworden. Ob im Hochregallager im Logistik Center Bremen oder auf den Autoterminals in Bremerhaven. Wenn man dann bedenkt das die freie Hansestadt Bremen Mehrheitseigner bei der BLG Logistic ist dann fehlen einem die Worte.

Aktionärstruktur bei der BLG Logistic

Freie Hansestadt Bremen                            50,42%

Bremer Landesbank                                      12,61%

Finanzholding der Sparkasse Bremen      12,61%

Streubesitz                                                       24,36%

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12 Kommentare zu Hinter den Werkstoren der BLG Logistic

  1. Sozialist sagt:

    Gut verfasster Artikel. Der Mindestlohn machts möglich.
    Längst sind ja nicht nur die GHB MA betroffen, das BLG Stammpersonal ist ebenso durch Lohnkürzungen betroffen.
    Ich kann mich nur wiederholen, stellt Öffentlichkeit her durch Presse, Funk und Fernsehen. Bei den Discountern hat ja auch zum Teil geklappt.

  2. Nico sagt:

    Super geschrieben. Werde gleich diesen bericht in meinen Verteiler mit aufnehmen und somit Post spielen und versuchen einen Kettenbrief zu erzeugen. Ist ein Anfang.

  3. NM sagt:

    Überall die gleichen miesen Bedingungen, eigentlich ist es auch schon egal mit welcher Firma man seinen Arbeitsvertrag hat, profitieren die gleichen paar verantwortlichen Großbetriebe von, die sich in Zusammenarbeit mit Politik und Gewerkschaften Bedingungen geschaffen haben, wo ein Heer von Fremdfirmen- und LeiharbeitskollegInnen flexibel, abrufbereit schufftet.. umso mehr, sollten wir uns alle mehr zusammen tun.

    viele sagen man kann nichts tun, steht ja auch im Artikel… na ich denke man sollte es zumindest versuchen und einfach anfangen sich in ganz kleinen Sachen zu wehren, wie z.B. bei der BLG nix unterschreiben, dass die einen in der Arbeitszeit kontrollieren dürfen. Man kann die Missstände am Arbeitsplatz auch sammeln, öffentlich machen wie in diesem Artikel, man kann mit KollegInnen drüber sprechen was besser werden könnte, Forderungen aufstellen. Man darf sich nur nicht drauf verlassen, dass das andere für ein tun, aber man kann sich Hilfe holen. Bremen macht Feierabend bietet ja zum Beispiel auch gegenseitige Unterstützung an, um selber was zu machen

    • Sozialist sagt:

      @ Mn:
      Diese “Öffentlichkeit” hier an dieser Stelle ist zwar schon mal ein Anfang, bleibt aber den meisten Menschen verborgen, die z. B. Tchibo kaufen oder immer noch der Meinung sind, das Mercedes Made in Germany ist.
      Erst gestern Abend war im Magazin Report eine interessante Reportage über die Leih- und Werksvertragspraxis in Pflegeheimen.
      In solche Magazine muss u.a. der Protest hin und nicht nur hier im kleinen Kämmerlein.

  4. anonym sagt:

    ja sehr guter artikel man findet sich wieder in jeder zeile. das problem ist das, dass alles
    nicht öffentlich wird wie bei amazon oder zalando oder dhl, gls unsw.

    wenn mal ein fernsehbeitrag laufen würde , würden die leute die bei tchibo arbeiten
    vielleicht mal ihr kauf verhalten ändern.? es geht einfach darum selbst wenn man seine arbeit macht nur schikanen. auch die spintkontrollen jeder ist sozusagen ein dieb.

    mir geht es darum das einen nicht die würde entzogen wird für diesen lohn. man muss
    mal in ruhe auf toilette gehen können ohne beobachtet zu werden, oder angst haben
    muss das man seine leistungskurve nicht schafft. die leistungskurven hängen da jeden
    tag aus um den druck unter den frauen zu erhöhen. mehr geld bekommt man dann auch nicht , aber die frauen haben einfach angst. so wie letzte woche da wurde wieder
    von einem meister eine wie jeden tag ansprache gehalten. nach dem motto wer hier seine zahlen nicht bringt , dann werde er dafür sorgen das sie da eingesetzt werden wo sie unter gehen werden,,,,,,,,,,,,,,,,,,,

    alles schon sehr traurig

  5. Bremer sagt:

    Ich kann das nur Bestätigen, ich selber bin gerade Opfer von Meister Wachtendorf geworden.
    wenn du etwas aufgrund irgendwelcher Persönlicher einschrenkungen nicht kannst, dann wirst du Abbestellt und bekommst als Krönung noch LC Verbot !
    und der Betriebsrat hilft dir ein Scheiss !
    Die idioten in den Grauen Hosen denken Sie sind was Besseres und dir Roten Hosen das Gewürm.
    so wird man dort Behandelt.
    eine Schande das Bremen sich mit sowas Schmückt !

  6. Ja, auch ich bin ein BLG-Sklave, der einen Zeitarbeits-Blutsauger auf seinem Rücken mit durchschleppt. Wir sind alt, und brauchen das Geld – so kann man das Elend umschreiben. Jetzt kommt aber pure Existenzangst auf: Unabhängig von internen Problem bei der BLG kommt ein massives externes Problem auf alle zu: Das Daimler Consolidation Center in Speyer, das vor einem halben Jahr Richtfest feierte und etwa 2016 den Vollbetrieb aufnehmen soll. Klartext: BLG wird augenscheinlich das Daimler-Geschäft größtenteils/vollständig verlieren, denn zukünftig wird am Rhein gepackt, und die fertigen Container landen bei der Bahn (gerade JETZT eine absurde Vorstellung) und auf Binnenschiffen, um dann Bremerhaven oder Antwerpen zu bestücken…. bye bye Bremen als Daimler/BLG-Geschäftsstandort. Das wird etwa 1000 bis 1500 Arbeiter in den Untergang ziehen. Offiziell sagt keiner etwas dazu – aber im Internet kann es jeder nachlesen, wie unsere Zukunft aussehen wird:
    http://media.daimler.com/dcmedia/0-921-614216-49-1743357-1-0-1-0-0-0-0-0-0-1-0-0-0-0-0.html

    • Lilo sagt:

      Ja, richtig. Das LC in Speyer steht, aber die haben da unten ein kleines Problem. Dort ist die Arbeitslosigkeit lange nicht so hoch wie hier in Bremen. Und auch das Lohngefüge ist da unten ein anderes. Syncreon sucht wie wild Leute. Die zahlen laut Aussage einiger Bewerber 10,73€/std für Staplerfahrer. Bisher sollen knapp 50 Leute einen Vertrag unterschrieben haben.

      • Speyrer sagt:

        Hallo Lilo,
        wie belastbar ist die Aussage zu der Vergütung von 10,73€ die Stunde? War bisher immer von ver.di Tarifvertrag Pfalz ausgegangen mit ca. 11,60€

  7. Kai sagt:

    Ach,daimler, ein sch.. Laden
    Das sind doch die waren Übeltäter…
    Daimler herrscht über alles in Deutschland,die machen die Bedingungen.Und wehe, die Bedingungen sind schlecht,dann jammern die arabischen Großinvestoren.
    Die ganzen Firmen, die angeblich so wahnsinnig selbständig sind, würden ohne Daimler am Hungertuch nagen.
    Die Kacke ist diese ganze subunternehmenscheiße-für jedes geschäftsfeld gibts ne firma und die haben auch noch untersklaven.
    Mal ehrlich, bei Daimler Deutschland werden doch nur noch die feinen Arbeiten erledigt-alles andere machen subunternehmen aus ganz Osteuropa und was ich auch extrem widerlich finde, dass Behinderte auch noch für die kapitalistische Massenproduktion ausgebeutet werden.
    Logistik wird da gemacht, wo die Werke sind.Daimler ist in Bremen.Dann muss die Logistik da auch hin.

  8. Tut tut sagt:

    Das gleiche versucht die BLG jetzt auch in Leipzig abzuziehen, sollte es soweit kommen wäre ich weg dort und mal ehrlich an die Mitarbeiter in Bremen: Lasst das nicht mit euch machen und wenn alle an einem Strang ziehen und gehen kann sich ja die Obrigkeit selber hinstellen. Aber leider gibt es doch verzweifelte Leute die dies über sich ergehen lassen.

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