Enttäuschendes Ergebnis

Bericht eines Kollegen  aus dem Logistik Center Bremen der DHL Home Delivery GmbH

Die Tarifverhandlungen Tarifbewegung 001bei uns im LC Bremen sind gelaufen. Zwar gibt es ab Januar 2014 mehr Gehalt (2,5%), doch das ist keinerlei Grund zur Freude. Dieses Ergebnis der Verdi ist alles andere als zufriedenstellend. Hatte die Verdi doch glatte 6,5% mehr Gehalt mit einer Laufzeit des Lohntarifvertrags von einem Jahr gefordert. Vor den Verhandlungen wurde unter den Mitarbeitern mobil gemacht, sich an der Forderung tatkräftig zu beteiligen. Ja, sogar von Streik war die Rede. Unbedingt wollte die Verdi, vertreten bei uns im LC Bremen durch Thomas Warner, einen akzeptablen Verhandlungsabschluss erzielen. Und nach der Verhandlung ?!

Da hat die Verdi total versagt. Wer eine Forderung von 6,5% anstrebt und sich am Ende durch Erpressung auf lächerliche 2,5% mit einer Laufzeit von 20 Monaten einlässt, der hat jegliches Vertrauen bei den Mitarbeitern verloren. Mit diesem gruseligen Abschluss hat die Verdi nicht nur uns Mitarbeiter verarscht, sondern unserem Arbeitgeber alle Türen geöffnet für die zukünftigen Tarifverhandlungen.

Wer sich einmal erpressen lässt, der lässt sich jeder Zeit wieder erpressen. Damit die Verdi am Ende gut da stand, hat sie vorab jegliche Schuldzuweisung geschickt auf ihre Mitglieder abgewetzt. Nachdem die Verdi mit den Verhandlungen unseres Arbeitgebers nicht vorankam, strebte sie nach der dritten gescheiterten Verhandlungsrunde eine Urabstimmung an, ob sie im LC Bremen und bundesweit zum Streik aufrufen sollte. Obwohl bundesweit 68% der Beschäftigten sich für einen Streik ausgesprochen hatten, setzte sich die Verdi über die Köpfe ihrer Mitglieder hinweg und berief sich schnell auf ihre Satzung, in der es bundesweit eine Mehrheit von 75% der Mitarbeiter bedarf, bevor es wirklich zum Streik kommen kann.

Die Verdi hat uns Mitarbeiter mit diesem desolaten Tarifabschluss nicht nur lächerlich gemacht, sondern uns auch verhöhnt. Dieser Hohn uns Mitarbeiter gegenüber ist nicht hinnehmbar. Auf unserer Betriebsversammlung hatte Thomas Warner sich absolut von jeglicher Verantwortung distanziert. Es sei alleine die Schuld des Verhandlungskomitees gewesen, zudem er ja nicht gehörte.. Nun frage ich mich natürlich. Wenn Thomas Warner von der Verdi mit all dem nichts zu tun hat, was macht er dann überhaupt bei uns im LC Bremen, bzw. was will die Verdi bei uns im LC Bremen, wenn sie sich für ihre Mitglieder sowieso nicht interessiert und engagiert?

Mein Fazit aus der Geschichte ist schlicht weg gesagt ernüchternd. Die Verdi, vertreten bei uns im LC Bremen durch Thomas Warner, hat ihre einst starke Position als Gewerkschaft längst verloren. Durch das extrem schlechte Abschneiden bei der Tarifverhandlung hat die Verdi ihre Glaubwürdigkeit endgültig verloren. Ob nun dieses mal oder bei der nächsten Tarifverhandlung in eineinhalb Jahren kann man davon ausgehen, dass die Verdi einfach unfähig ist, genug Druck auszuüben, um etwas vernünftiges für uns Mitarbeiter herauszuholen. Das einzige wofür sich die Verdi wirklich interessiert sind neue Mitglieder zu werben und möglichst die bestehenden Mitglieder durch Lug und Betrug an sich zu binden…

Ergänzung von Bremen macht Feierabend dazu:

Wenn man es genau betrachtet handelt es sich bei diesem Abschluss, grade durch die lange Laufzeit, ja nicht um eine jährliche Lohnerhöhung von 2,5%, es ist eigentlich eine Lohnerhöhung von 1,5% auf´s Jahr gerechnet. Wenn wir dann noch die Inflationsrate betrachten, die im letzten Jahr bei 2,0% lag und in diesem Jahr voraussichtlich zwischen 1,5% und 1,7% liegen wird, dann haben die Kollegen nicht einen Cent mehr in der Tasche.

Zum Streik und der Urabstimmung ist zu sagen, das hat die ver.di ganz klar in Ihrer Satzung und in den ver.di-Richtlinien über Urabstimmung und Arbeitskampfmaßnahmen geregelt. Folgendes schreibt die ver.di dazu:

“Eine Urabstimmung ist eine Abstimmung über die Durchführung eines Arbeitskampfes nach dem Scheitern einer Tarifverhandlung und dem Auslaufen der Friedenspflicht. Es werden die ver.di-Mitglieder befragt, die unter den Geltungsbereich eines Tarifvertrages fallen und die an den Arbeitskampfmaßnahmen beteiligt werden sollen (§ 3-5 ver.di-Richtlinien über Urabstimmung und Arbeitskampfmaßnahmen und ver.di-Satzung § 70).

Soweit mehr als 75 % der ver.di-Mitglieder für Streik stimmen, kann der ver.di-Bundesvorstand den Streik genehmigen. Er entscheidet, ob eine Urabstimmung durchgeführt wird. In Ausnahmefällen kann er auch beschließen, dass ein Streik ohne Urabstimmung durchgeführt wird. Nach einem Streik, dem eine Urabstimmung vorausgegangen ist, erfolgt i.d.R. auch eine Rück-Urabstimmung über das Ergebnis. Es müssen mind. 25 % der ver.di-Mitglieder dem Ergebnis zustimmen.”

In der Praxis sind die 75% schwer zu erreichen und umgekehrt kann ein Streik wiederum durch nur 25% der Gewerkschaftsmitglieder ganz schnell beendet werden. Es ist deswegen wichtig, dass man sich um seine Interessen selbst kümmert und sie nicht irgendwelchen Stellvertretern übergibt, dadurch gibt man die Sache aus der Hand. Eine Möglichkeit könnte eine unabhängige Betriebsgruppe sein, um Informationen vernünftig weiter zu geben und Erfahrungen zu sammeln. So eine Gruppe kann auch ein Anlaufpunkt sein, um Forderungen zu entwickeln und zu überlegen, wie man sie gemeinsam durchsetzt, ohne dass man erst irgendwo Mitglied werden muss.

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3 Kommentare zu Enttäuschendes Ergebnis

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  2. Sozialist sagt:

    Die Moral von der Geschicht,
    glaube einem Verdimann nicht.
    Wer seinen Beitrag in dieser Gewerkschaft leistet versenkt gutes Geld.
    Dafür wird er verraten und verkauft.
    Selbst im öffentlichen Dienst, wo noch ab und zu etwas gestreikt wird, kann man als
    Funktionär Betriebsrat/Personalrat nicht mehr auf Unterstützung hoffen.

  3. Torsten sagt:

    Moin, und genauso wird es wieder im LC und HRL bzw. im gesamten Distributionsbereich des GHB´s sein und dann stellt Verdi sich wieder hin und sagt, wir haben bis spät in die Nacht verhandelt und konnten nicht mehr raus holen. Ich bin davon Überzeugt, dass der neue Lohntarif schon längst in der Schublade liegt aber sie müssen es ja nach draußen anders verkaufen wie schwierig alles war.

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