BLG Logistics Landeseigenes Unternehmen mit Schmuddelcharakter

1280px-BLG-Logistics-Gebäude_2008Als wir im September 2013 berichteten, dachten wir, schlimmer kann es ja nicht werden. Aber da lagen wir falsch. Die BLG Logistics arbeitet hier in Bremen jetzt mit über 80 % Fremdpersonal. Neben dem GHBV arbeitet die BLG mit noch 14 weiteren Dienstleistern zusammen. Es werden sogar ArbeiterInnen aus Polen und aus Augsburg mit den Bus angekarrt. Die bekommen dann am Ende der Woche ihre Lohntüte und sind wieder weg. Das alles tut dem Arbeitsklima nichts Gutes. Ein soziales Miteinander gibt es da schon lange nicht mehr. Die KollegInnen sind sich fremd. Es gibt jetzt viele Gruppen die in Konkurrenz zueinander arbeiten. Oben stehen die festen BLG Arbeiter, zumeist in Führungsposition. Führen heißt dafür zu sorgen, dass die ArbeiterInnen möglichst keine Verschnaufpausen bekommen und soviel Arbeit wie nur möglich verrichten. Danach kommen dann die GHB ArbeiterInnen, die mal eine besondere Position innerhalb der BLG hatten. Es sind keine klassischen LeiharbeiterInnen und waren lange Zeit die einzigen Dienstleister bei der BLG. Dann kommen die LeiharbeiterInnen und dann am Ende stehen ArbeiterInnen ohne Deutschkenntnisse.

Der Alltag für diejenigen die da jeden Tag hin müssen um ihr Lebensunterhalt zu sichern wird immer unerträglicher. So erzählte uns eine Kollegin: „Demütigungen sind da an der Tagesordnung, wir werden behandelt wie Dreck“. In fast allen Bereichen ist der gleiche Führungsstil zu erkennen. Der Meister macht relativ neuen LeiharbeiterInnen zu Vorarbeitern. Bei der Frage, was braucht man da an Qualifikation? Ist die Antwort “Man muss gut aussehen und gehörig sein”.

Der/die neue VorarbeiterIn bekommt dann einige Vorzüge und die Aufgabe die Leute anzutreiben. Was dann auch passiert. Das treibt viele KollegInnen dazu, auch in diese Position kommen zu wollen. Die ganzen unterschiedlichen Löhne und der Kampf nach Anerkennung macht den Alltag in den Hallen der BLG Logistics für die meisten KollegInnen unerträglich. Die andere Seite ist die Arbeit selbst, die meistens sehr monoton und körperlich anstrengend ist. Da ist es ein Unding, dass man den ArbeiterInnen kurze Ruhepausen verbietet. Es gab bei der BLG, neben einer halbstündigen Pause, eigentlich immer zwei zusätzliche 10 min. Pausen. Die wurden jetzt im BLG Hochregallager gestrichen. Pause schadet dem Geschäft, hatte jemand dazu gesagt. Flexibilität ist gefragt. Nichtmal die Freizeit kann vernünftig geplant werden. Zwischen Früh-, Spät-, Nachtschicht, Schichtverlängerung, Schichtverkürzung und Wochenendarbeit wird dem Arbeiter alles zugemutet. Hört sich an wie in einem schlechten Film. Ist aber Realität. Und alles in einem Landeseigenen Unternehmen: Der BLG Logistics. Da steht die Politik in der Verantwortung.

Es gibt beim GHB inzwischen Betriebsräte die nicht in ver.di organisiert sind und alles versuchen dagegen zu steuern. Doch statt ver.di diese Kollegen unterstützt, passiert das Gegenteil. Auch die SPD wettert gegen diese Kollegen, in dem sie in einem SPD-AFA Flugblatt gegen die Betriebsräte herzieht. Sie würden Arbeitsplätze vernichten, weil sie sich auf Ihr Mitbestimmungsrecht berufen.

Viele Betroffene von Euch werden diesen Artikel gelesen haben. Schreibt uns eure Erfahrungen mit der BLG oder den Leiharbeitsfirmen. Das können wir dann in den nächsten Artikeln mit einbringen.

Ein Artikel von Bremen macht Feierabend

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6 Kommentare zu BLG Logistics Landeseigenes Unternehmen mit Schmuddelcharakter

  1. Pingback: LabourNet Germany: Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch » Hinter den Werkstoren der BLG Logistic

  2. Jemand anders sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte an dieser Stelle gerne Anonym bleiben.
    Zu Ihrem BLG Bericht kann man nur sagen, dass diese Art ein Teil der heutigen Logistik ist (leider). Im Speditionsgewerbe sieht es nicht besser aus. Das Personal wird runter geschraubt und die Leistung muss dabei steigen. Löhne werden Unfair ausgezahlt, der gesamt Urlaub muss für das folge Jahr ende Dezember bereits eingereicht werden um das folge Jahr Wirtschaftlicher planen zu können. Das nennen die Unternehmen Flexibel und wird unter diesem Wort auch bei Vorstellungsgesprächen schön umsäumt. Auf Familie oder ein Privatleben wird da keine Rücksicht mehr genommen! Als “Arbeiter” muss man produktiv sein in den Augen des Unternehmen. Bildungsurlaub welcher jedem sogar Rechtlich zusteht wird nicht bewilligt, eine Stellungnahme von Unternehmen kommt erst nach mehreren Nachfragen bevor man das Gefühl bekommt ein schlechter Mitarbeiter zu sein. Ja man ist nur ein “Mitarbeiter” das Wort Kollege gibt es in der Logistik Branche nicht mehr. Der Gewerkschaft VerDi ist diese Entwicklung durchaus bekannt, nur ist diese Machtlos da Speditionen mit der Schließung eines Standortes drohen was zum Verlust von Arbeitsplätzen führen würde. Und genau aus diesem Grunde ist der kleine Arbeiter gezwungen dem Unternehmen gehörig zu sein. An dieser Stelle ist die Politik gefragt!

    Mit freundlichen Grüßen

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  4. Müller Reiner sagt:

    Ich habe hier viel Gehört und gelesen über die Probleme in der Logistik.
    Aber was ich vermisse sind Lösungsvorschläge.
    Lg.Reiner

  5. mogli sagt:

    Ich stosse mal ins… (gleiche Horn)! Bei Stadteigenen Betrieben wir doch immer so rum getönt, das die Politik für Soziale Gerechtigkeit sorgt. Von wegen, Anno 2009 hat der Betriebsrat (Schindlers Liste) alles durchgenickt, was die Geschäftsleitung vom GHB vorgelegt hat. Die Folge waren Lohnkürzungen, Änderungskündigungen etc. Heute lästert ein Hr.Sch. nur noch über den neuen Betriebsrat anstatt mitzuhelfen. Er versucht über die SPD auch noch seine Politik durch zu boxen. Ich habe gestern meine verdi Mitgliedschaft gekündigt, denn ich habe kein Bock auf so eine Politikklüngelei! Das stinkt doch zum Himmel und verdi wundert sich über das mangelnde Vertrauen von Arbeitnehmern.

  6. ramazoti sagt:

    In Leipzig hat BLG bei BMW auch einen Teil der Logistik übernommen und hier wird
    es auch nicht besser sein.Wir sind billiger,ob wir besser sind das bleibt da hingestellt.

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