Die Abwicklung des DHL Logistikcenters Bremen – Ein Lehrstück

Die Abwicklung des DHL Logistikcenters Bremen – Ein Lehrstück

In den Gewerbegebieten und entlang der Autobahnen stehen die gesichtslosen Klötze der
Logistker. Und es schießen immer weitere wie Pilze aus dem Boden. Wenn das eine wachsende Branche ist, dann fragt man sich, warum das LC Bremen dicht gemacht wurde.

Die Post fährt als börsennotierter weltweit operierender Konzern einen radikalen Sparkurs bei den Personalkosten, während die Ausschüttungen an die Aktionäre wachsen. Die Ausgliederung von Unternehmen gehörte zu den Tricks, die erkämpften Löhne zu unterbieten. DHL Home Delivery ist als Billigheimer gegründet worden und ein Hauptziel des Poststreiks 2015 war ein Ende der Ausgliederung und damit gleicher Lohn für die gleiche Arbeit. Ohne diese Hauptforderungdurchgesetzt zu haben, brach Verdi den Streik ohne Not ab. Die Kollegen waren stinksauer, bei den Aktionären knallten die Champagnerkorken. Im Oktober 2016 verkündet man an der Börse, bei den Postaktien Aktien ließe sich 100% gewinnen, einen Monat später waren es bereits 130%.

Das LC Bremen wurde auch als Home Delivery Unternehmen betrieben. In Wirklichkeit war es eine Filiale von Amazon. Es stand der Name DHL am Gebäude, doch die Aufträge kamen zu 100% von Amazon. Als wir im März 2016 bekannt machten, daß geplant sei das LC Bremen abzuwickeln, wollten die Kollegen es nicht glauben. Es mangelte nicht an Aufträgen. Der Laden brummte. Der Impuls zur Schließung kam wohl nicht von Amazon, denn der Konzern sah sich gezwungen neue Standorte aufzumachen, da in den bisherigen Logistikcentern die steigende Autragslage nicht bewältigt werden konnte. Es war wohl DHL selbst, die die eigene Belegschaft loswerden wollte. Die Beschäftigten waren zwar bei Home Dilivery billiger, doch scheinbar nicht billig genug. Sie waren oftmals schon seit Ewigkeiten dort unter Vertrag und haben damit auch besondere Konditionen.

Die bremer Belegschaft hat die Situation so erfolgreich verdrängt, daß man aus allen Wolken fiel, als es im Juli es dann offiziell bekannt gemacht wurde, daß man das LC vollständig schließt. Eine besondere Erwähnung verdient die Rolle von Verdi in diesem Vorgang. Die Gewerkschaft war aktiv daran beteiligt, den Laden dichtzumachen und die Abwicklung geräuschlos ohne ohne Widerstand der Belegschaft zu organisieren. Verdi bewilligte sogar die Aufstockung der Belegschaft um eine Anzahl von Leiharbeitern, die etwa der Stammbelegschaft entsprach. Man wollte für das Weihnachtsgeschäft gewappnet sein und verschwieg die Pläne des Managements, den Laden zu schließen.

Den Rest der Geschichte mag man nicht glauben, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Als Verdi am 25.7. in das Gewerkschaftshaus einlud, erwarteten die Kollegen, daß Verdi sie nun aufklärt über ihre Situation und Möglchkeiten gegen die Entscheidung des Konzerns zu kämpfen. Schließlich war die Belegschaft nahezu vollständig bei Verdi organisiert. Doch der zuständige Sekretär Thomas Warner trat wie ein Manager des Unternehmens auf und machte keinerlei Anstalten, sich den Interessen der Gewerkschaftsmitglieder zu widmen. Er sah noch nicht einmal die Möglichkeit DHL dazu zu bewegen, die Beschäftigten in anderen DHL Niederlassungen zu übernehmen, da könne man „nichts machen“. Er verteilte ein Musterschreiben, damit sich die Kollegen selbst wieder bei DHL bewerben könnten.

Die Belegschaft hatte keinerlei Erfahrung im selbstständigen Kämpfen und wartete darauf, daß man sie in einen Kampf führt. Verdi hielt es nicht für nötig, auch nur ein Feigenblatt eines gewerkschaftlichen Protests zu organisieren. Es fand nicht einmal eine symbolische Protestdemo mit Trillerpfeifen statt. Eigentlich hätte man es wissen können, denn in all den vorangegangenen Jahren war Verdi, außer bei den institutionalisierten Tarifverhandlungen, nie für bei Belange der Beschäftigten da. Vom Warten auf einen Kampf ging es nahtlos über in Resignation. Ein Flugblatt, das zu einem unabhängigen Treffen einlud zur Diskussion eigenen Möglichkeiten sich zu wehren, wurde erst zu einem Zeitpunkt verbreitet, als der Termin einer Betriebsversammlung fest stand, an dem verkündet werden sollte, was die Gewerkschaft mit die Management ausgehandelt hat. Das vermittelte den Kollegen das Gefühl, das Thema sei durch, denn an dem „Abschluß“ sei nicht mehr zu rütteln. Es war nicht zu spät zu kämpfen, selbst wenn es schwer gewesen wäre, die Schließung des LC zu verhindern, hätte man weitaus bessere Konditionen für den Fortgang aus dem Unternehmen erkämpfen können. Genau dieses Wissen fehlt.

Bei der Betriebsversammlung nahm man nur noch das zur Kenntnis, was Management und Gewerkschaft in puncto Transfergesellschaft und Abfindung ausgehandelt haben. Man ließ sich den Unsinn erzählen, das Verhandlungsergbnis sei geheim und dürfe nicht verbreitet werden. Verdi widersprach dieser Lüge nicht. Daß man sich nicht um das Schicksal der Leiharbeiter gekümmert hat, ist Normalität im gewerkschaftlichen Alltag.

Wir wollen diese Erfahrung weiterverbreiten, denn sonst wird sich dieses Drama bei der nächsten und übernächsten Abwicklung eines Betriebs wiederholen. Es gibt die Möglichkeit sich effektiv zu wehren, wenn man nicht darauf wartet, daß jemand anders das für einen organisiert. Eine kleine aktive Gruppe von Beschäftigten, kann andere Kollegen mitreißen.

Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.

 

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2 Kommentare zu Die Abwicklung des DHL Logistikcenters Bremen – Ein Lehrstück

  1. Hallo, ja das ist wirklich abartig wie die DHL mit seinen Beschäftigten umgegangen ist. Und die Ver.di, die hat in all den Jahren nichts für die Belegschaft getan. Weder die DHL noch die Ver.di hatten Bock sich ernsthaft zu bemühen, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Gerade die langjährigen Beschäftigten waren der DHL zu teuer geworden. Auch hier hat die Gier des Arbeitgebers gesiegt. Einige haben inzwischen wieder Arbeit gefunden – befristet auf zwei Jahre -, und die, die in die Transfergesellschaft Quotac gewechselt sind, die fahren derzeit nicht wirklich gut damit. Die Quotac ist auf miese Deals mit den Arbeitgebern eingegangen. So werden die ehemaligen DHL Beschäftigten Monate lang als Praktikanten zu unmöglichen Konditionen eingesetzt, ohne das diese sich dagegen wehren können. Teilnehmer der Quotac die es dennoch versuchen, werden gnadenlos bei der Agentur für Arbeit angeschissen. Die Agentur zögert nicht lange und droht gleich mit Sanktionen. Die Quotac bereichert sich an den ehemaligen DHL Beschäftigten. Was für die Quotac zählt, ist erheblichen Druck auf die Teilnehmer auszuüben und gnadenlos abzukassieren!

  2. Spiel – Coca-Cola zieht ins Umland; – Bremerhaven lasst sich mit der LLoyd-Werft uber den Tisch ziehen; – Einzelhandel verlasst die Innenstadt; – DHL gibt Standort Bremen auf; – U-Insitut verlasst Bremen; – Maersk gibt Standort Bremen aus .

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