Ohne uns geht nichts

Die Logistikbranche boomt und neue Arbeiter*innen werden in allen Bereichen dringend gesucht. Was sich aber doch nicht ändert, sind die Arbeitsbedingungen und die niedrigen Löhne. Eher im Gegenteil, die Arbeitsbelastung wird immer größer, immer mehr Überstunden müssen geleistet werden. Gesundheitsschutz ist zu einem Fremdwort geworden. Die meisten Kollegen*innen kennen das, 5 Tage in der Woche arbeiten, meistens zusätzlich Samstags raus und wenn es dann noch blöd läuft, geht es Sonntags schon wieder in die Nachtschicht. Die Löhne sind unterstes Niveau. Cliquenwirtschaft ist an der Tagesordnung und wer sich nicht anpasst oder das Tempo nicht mehr halten kann, wird richtig verheizt und kann danach gehen.

Bei vielen Unternehmen ist es in Mode gekommen, Arbeiter*innen erst mal über Leiharbeitsunternehmen in die Betriebe zu holen. Nach 9, bzw. 15 Monaten, werden die Arbeiter*innen wieder durchgetauscht. Das Equal Pay, also Leiharbeiter*innen den gleichen Stundenlohn wie den Festangestellten zu zahlen, soll so verhindert werden. Was sich nach der Änderung in der Arbeitnehmerüberlassung im April 2016 geändert hat, ist dass mehr Arbeiter*innen befristet in den Logistikunternehmen eingestellt werden. Dadurch verbessern sich die Bedingungen für die Arbeiter*innen keineswegs. Ob man nach zwei Jahren Befristung fest eingestellt wird, steht in den Sternen. Schlimmer ist es noch, wenn man bereits über 52 Jahre alt ist. Dann kann man nämlich bis zu fünf Jahre sachgrundlos befristet werden.

Wir haben jetzt auch die ersten Meldungen von Kollegen*innen, die von projektbezogenen Arbeitsverträgen berichten. Da wird dann gesagt, der Unternehmer hat einen Vertrag über fünf Jahre mit seinem Kunden und daher stellt er den/die Arbeiter/in mit einer Sachgrundbefristung von fünf Jahren ein. Ob das rechtens ist, ist fraglich. In der Regel gibt es Sachgrundbefristung im Bereich der Forschung, dort werden Wissenschaftler für gewisse Projekte befristet eingestellt. Nach Rücksprache mit Arbeitsrechtlern ist selbst in den Bereichen oftmals kein Sachgrund gegeben und schon lange nicht in einem Logistikunternehmen. Die Folge daraus ist, man kann sich dann einklagen.

Das eine sind die Unternehmen und die Gesetze, das andere sind wir. Werden die Unternehmen immer größer und verdienen immer mehr Geld, wird es für uns Arbeiter*innen immer schlechter. Gewerkschaften vertreten in der Regel nur noch kleine Teile der Belegschaft, die Stammbelegschaften der großen Unternehmen und stellen sich schon mal als Sozialpartner hinter die Unternehmen. Für Leiharbeiter und befristete Arbeiter*innen fühlen sie sich nicht verantwortlich, eher im Gegenteil. Da werden die Leiharbeiter*innen und befristet beschäftigten Kollegen*innen schon mal geopfert, um die Position der Stammbelegschaft zu sichern.

Aber das alles ist nur möglich, weil wir als Arbeiter*innen verlernt haben, uns dagegen zu wehren, verlernt haben, für bessere Löhne und Respekt zu kämpfen. Alles was sich die Arbeiter*innen bis zum Ende der 80ger Jahre erkämpft haben, ist verschwunden, bzw. geht Stück um Stück verloren. Wir müssen wieder aufstehen und nicht länger unseren Kollegen neben uns als Konkurrenten sehen.

Das Problem ist der “Arbeitgeber“. Wie oft habt ihr euch gedacht, der Schichtleiter ist doch keine Führungskraft, der hat keine Ahnung und kann überhaupt nicht mit Menschen umgehen. Wenn das die Geschäftsführung wüsste. Genau aus diesem Grund werden diese Schichtleiter*innen als Führungskräfte eingesetzt. Die machen sehr wohl ihren Job, indem sie für die Spaltung der Kollegen*innen sorgen und einteilen in gute und schlechte Arbeiter*innen. Sie sorgen dafür, dass Ihr bis an dir Belastungsgrenze arbeitet.

Verändern können wir das nur, wenn wir wieder lernen, zusammenzuhalten uns zu organisieren. Wir dürfen einander nicht als Konkurrenten sehen. Wir wollen hier heute die Grundlage dafür schaffen. Wir wollen uns jetzt betriebsübergreifend zusammentun. Dafür brauchen wir möglichst viele Kollegen*innen, die mitmachen. Anlaufpunkte bieten wir, Bremen macht Feierabend und die Stadtteilgewerkschaft Solidarisch in Gröpelingen. Kontakt zu uns könnt Ihr über das Kontaktformular auf dieser Webseite aufnehmen.

Es gibt zudem regelmäßige offene Treffen der Stadtteilgewerkschaft. Ihr könnt uns auch direkt ansprechen, wenn Ihr uns vor den Betrieben oder im Stadtteil seht. Oder ruft uns an, um Termine in kleinen geschlossenen Runden zu vereinbaren. In unserer Runde wollen wir niemanden sehen, der auf der Unternehmerseite steht. Die Stadtteilgewerkschaft könnt ihr auch auf Facebook unter “Solidarisch in Gröpelingen“ besuchen. Hier die Termine für Juli und die Kontaktdaten von Solidarisch in Gröpelingen. Termine für August folgen.

Auch suchen wir den direkten Kontakt, auf der Straße, zu Euch. Verteilen unter anderen die Leiharbeitskeule (Zeitung der Leiharbeiter*innen) im Stadtgebiet. Wir sind öfters am Bahnhof Sebaldsbrück , in den Bussen ins Gewerbegebiet Hansalinie, am Hauptbahnhof und in den Bussen Richtung GVZ unterwegs. Die Leiharbeitskeule findet ihr auch unter: http://www.chefduzen.de/leihkeule/leihkeule5leseversion.pdf

http://www.chefduzen.de/leihkeule/leihkeule5-printversion-a5.pdf

Es gibt inzwischen an vielen Orten ähnliche Ansätze mit kleinen und großen Erfolgen. Ein Beispiel dafür sind die Kollegen*innen bei Amazon, die sich nicht nur deutschlandweit, sondern in ganz Europa vernetzt haben und sich gegenseitig über alle Grenzen hinweg unterstützen. Weitere Beispiele gibt es in Italien, Polen und England.

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