Selbstverständnis

Was ist Bremen macht Feierabend?

syndikalismusWir von Bremen macht Feierabend sind eine Gruppe von KollegInnen aus verschiedenen Betrieben, die sich bei verschiedenen Arbeitskämpfen kennen gelernt haben. Wir haben dabei alle die Erfahrung gemacht, dass man sich auf so genannte „Vertreterorganisationen“ wie DGB Gewerkschaften oder politische Parteien nicht verlassen kann. Sie alle handeln nur, solange es um die Sicherung ihres eigenen Einflusses und ihre Mitgliederzahlen geht, alles darüber hinaus wird von ihnen meistens gebremst und sogar offen bekämpft. Daher organisieren wir uns unabhängig von Gewerkschaften, Parteien oder anderen politischen Organisationen.

Wir wollen uns nicht damit abfinden, auf der Arbeit oder beim Jobcenter passiv zu sein und immer schlechter werdende Bedingungen hinzunehmen, mehr zu arbeiten, schlechter bezahlt zu bekommen, jeden Tag 8 Stunden oder länger etwas tun zu müssen, von dem wir fast gar nichts haben. Wir wollen daher die Vereinzelung aufbrechen, in der sich viele Beschäftigte befinden. Die meisten haben Angst, gegen die Chefs den Mund auf zu machen, weil sie das Gefühl haben, alleine zu stehen. Wir fangen deswegen an, unsere Arbeitsbedingungen und unsere Erfahrungen öffentlich zu machen und uns gegenseitig auszutauschen.

Das alleine reicht uns aber nicht aus. Wir versuchen aktiv neue Strukturen in den Betrieben und über die Betriebe hinaus aufzubauen, um sich gezielt gegen die Arbeitshetze in den Unternehmen zu wehren und gegenseitig zu helfen. Dazu unterstützen wir die Gründung von selbstorganisierten Betriebsgruppen in den Betrieben und jede überbetriebliche Vernetzung. Wir helfen dabei, die Infrastruktur dafür aufzubauen wie z.B. einen Internet Auftritt zu gestalten oder einen Ort zu haben, an dem man sich außerhalb des Betriebs ungestört treffen kann. Der Vorteil einer selbstorganisierten Gruppe besteht darin, dass es niemanden gibt, der/die über die Köpfe der anderen hinweg Entscheidungen treffen kann, welche Themen behandelt werden und wie man öffentlich aufzutreten hat. Niemand ist irgendeinem Vorstand oder einer Satzung verpflichtet.

Wir machen keinen Unterschied zwischen Festangestellten, LeiharbeiterInnen, Werkvertrags ArbeiterInnen, Erwerbslosen usw. Nur gemeinsam sind wir in der Lage etwas für uns zu ändern. Unser Ziel ist, keine Spaltung unter uns und kein Gegeneinander in den Betrieben und außerhalb zuzulassen. Wenn einzelne Beschäftigtengruppen durch Tarifabschlüsse oder die Willkür der Chefs viel bessere Bedingungen und Löhne haben, als andere, ist das nur der Versuch, sie ruhig zu stellen und einen Keil zwischen uns zu treiben. Dass wir aus Sicht von Geschäftsleitungen und Vorständen langfristig alle ein Angriffsziel sind – solange wir sie nicht daran hindern – weiß wohl jeder. Dennoch hat es wunderbar funktioniert, extrem miese Arbeitsbedingungen und Löhne durchzusetzen und mittlerweile fast unser komplettes Leben den Anforderungen der Firma, der Leiharbeitsbuden oder des Jobcenters unterzuordnen.

Das, was hier über das vergangene Jahrzehnt gelaufen ist, wird derzeit noch viel brutaler in anderen Ländern in Europa in sehr viel kürzerer Zeit durchgezogen. Wir machen uns keine Illusionen über die Versprechen, dass die Arbeitsbedingungen und Löhne wieder besser werden, wenn wir nur lange genug die Füße still halten. Es wird uns gebetsmühlenartig von der Sicherung der Konkurrenzfähigkeit von Firmen und „Standorten“ erzählt und von uns eingefordert. Die Absenkung von Löhnen und die Verdichtung der Arbeit ist in dieser Logik aber fast bodenlos und ganz sicher ohne “moralische Grenze”, die irgendjemanden daran hindern würde, uns auf Verschleiß zu fahren. Deswegen hilft auch kein Jammern und Abwarten. Wir wollen diese Logik durchbrechen.

Unsere Seite soll eine gemeinsame Plattform für uns sein. Auf der Internetseite können aktuelle Berichte von allen Bremer KollegInnen veröffentlicht werden. Jede und jeder kann dafür über die eigenen Erfahrungen, Probleme und Sauereien auf der Arbeit schreiben und den Bericht bei Bedarf anonym, an uns zur Veröffentlichung schicken. Wir sind außerdem an jedem Austausch und jeder überbetrieblichen Vernetzung interessiert.

Wir sind keine geschlossene Gruppe, wir freuen uns über alle, die Lust haben, bei Bremen macht Feierabend mit zu machen. Bei uns ist niemand zu etwas verpflichtet. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge oder Beitrittsformulare und keine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Chefs, egal welcher Art!

Bremen macht Feierabend

3 Kommentare zu Selbstverständnis

  1. Chris sagt:

    Hallo!

    Ich bin beim Stöbern über den Gesamthafenbetriebsverein auf diese Seite gestoßen und war sofort begeistert. Denn vieles, was ich hier lese, habe ich selbst am eigenen Leib erfahren. Ich war von Oktober 2003- September 2005 beim Gesamthafenbetriebsverein in Bremen im Bereich Distribution beschäftigt. Am Anfang hat mir die Arbeit dort großen Spaß gemacht. Es war eine körperlich harte Arbeit, aber mit netten Kollegen und einem umgänglichen Vorgesetzten ging sie gut von der Hand.Ich war am Anfang im Tchibo Hochregallager und zeitwiese im Logistik-Center (ehem. AHZ) eingesetzt. Nach gut einem Jahr meines Einstiegs beim GHB merkte ich, wie alles immer -bedrückender- wurde. Plötzlich wurde immer mehr Druck ausgeübt, bekam kein nettes oder lobendes Wort mehr vom Vorgesetzten zu hören, sondern nur noch Druck, das man ja schnell arbeiten soll. Nach erledigter Arbeit hieß es dann nur -das kann beim nächsten mal noch schneller gehen-. Nach einiger zeit wurde es immer schlimmer. Wenn dann die Arbeit nicht schnell genug ging hieß es dann: du bist eine faule Sau (wortwörtlich). Zum Schluss wurde man nur noch wie Vieh behandelt…
    So war ich regelrecht froh, als es nach 2 Jahren, nachdem ich von einem befristeten Arbeitsvertrag zum anderen fieberte, das ich keine Festanstellung bekomme und der 30.09.2005 mein letzter Arbeitstag war. Wohl gemerkt: 3 Tage vorher habe ich bescheid bekommen!!
    Ich einfach nur entsetzt das dieses Arbeitsklima mit Lohndumping mittlerweile Standard geworden ist… Als ich beim GHB anfing bekamen Packer mit Lohngruppe A: 8,80 Euro, Staplerfahrer mit Lohngruppe B: 10,40. Halbjährlich steigerten sich diese Löhne. Nun lese ich auf der Homepage des GHB: Stundenlohn ab:8,71 und damit loben die sich auch noch… ,,Arbeiten sie noch unter 8,71 EURO?´´, als ob man stolz seine sollte, für so einen Stundenlohn arbeiten zu dürfen. Und das, wo man vor 10 Jahren dort noch viel mehr verdient hat.
    Ich bin einfach nur erschüttert…
    Wie konnte sich diese Arbeitswelt nur durchsetzen?? Nach dem GHB habe ich noch jahrelang bei Zeitarbeitsfirmen in Bremen und umzu gearbeitet, wo es auch nicht viel besser war. Ich wurde gezwungen von 7:00 Uhr morgens bis 0:00 Uhr nachts!!! durchgehend zu arbeiten! Zweites Beispiel: Es kam öfters vor das ich in einem Betrieb am Montag in der Spätschicht bis 0:00 eingesetzt war, Dienstagmorgen um 7:00 Uhr während ich noch fest schlafe klingelt zu Hause mein Telefon ich soll um 9:00 bei einer anderen Firma sein. Als ich mich darüber bei meiner Zeitarbeitsfirma beschwerte bekam ich eine Woche später die Kündigung.
    Erst vor 3 Jahren schaffte ich nun endlich die Wende. Ich fing wieder bei einer Zeitarbeitsfirma (mittlerweile meine 5.) an. Doch da war alles so wie es eigentlich im System laufen muss: Der Betrieb wo ich eingesetzt war hat mich nach 6 Monaten übernommen und bin dort immer noch angestellt zu einem Vernünftigen Stundenlohn von 11,00 Euro. Es werden alle geleisteten Stunden bezahlt und ich kann damit meinen Lebensunterhalt bestreiten.
    Ich freue mich sehr, das es diese Seite gibt und das ich meine schlechten Erfahrungen und meinen Frust mal niederschreiben konnte! Danke!

  2. Uwe Preusche sagt:

    Hallo,
    eine tolle Seite. Ich würde gerne der Gruppe beitreten. Auch ich bin an der Nichtmithilfe der Gewerkschaft mit meinem Arbeitskreis gescheitert. Alles was hier geschrieben ist, habe ich selbst erlebt (bei Lorel und jetzt beim GhbV). Bitte nehmt Komtakt mit mir auf.

    Gruß Uwe

  3. mogli sagt:

    Hallo
    ich habe deinen Beitrag gelesen und mich wundert es nicht wie du behandelt worden bist. Leider ist es heute Standart beim GHB und BLG, so zu agieren. Ich kenne selber Kollegen beim GHB, die nach 2 Jahren befristeter Arbeitsverträge keinen Festvertrag bekommen haben. Ihnen wurde erst in der letzten Woche bescheid gesagt, das sie nicht übernommen werden sollten. Das hat wohl seinen Grund: den sonst würde der Arbeiter sich eher um eine neue Arbeitstelle kümmern als zur Arbeit zu kommem. Was die Arbeitszeiten betrifft, würde ich sagen, ist alles was über ZEHN Stunden geht Rechtswidrig, aber wenn der Arbeitnehmer darüber hinaus arbeitet ist er selber schuld. NIEMAND kann einen zwingen länger als zehn Stunden zu arbeiten.
    Was “verdi” betrifft, ich bin wieder ausgetreten und kann jeden nur raten mal zu hinterfragen, was da eigentlich läuft. Ich habe selber interessante Sachen gehört und gelesen über diesen Klüngel!

    Groß Mogli

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